Schützengilde Pikallen / Schloßberg

- gegründet 1848 -


 

in der Patenschaft des Schützenkorps Winsen (Luhe)


Namensherkunft:

Der ostpreußische Grenzkreis Schloßberg trug bis 1938 Jahre seinen alten litauischen Namen Pillkallen. Infolgedessen werden die Namen Schloßberg und Pillkallen nebeneinander benutzt.

 

Gründungsjahre:

Die Schützengilde Pillkallen wurde als Großkaliber Schützengilde im Jahre 1848 gegründet. Friedrich Wilhelm IV verlieh der Gilde 1849 Korporationsrechte (Körperschaftsrechte).

Im Jahre 1898 übernahm der Maurer- und Zimmermeister Hans Kalcher als Obervorsteher die Leitung der Gilde.

Das Schützenfest wurde zunächst nur im Hochsommer gefeiert, da kein Saal der dafür groß genug war zur Verfügung stand. Gefeiert wurde deshalb draußen.

 

Schießstände:

Im Laufe der Jahre gab es 3 Schießstände. Diese hatten eine Bahnlänge von 175 m. Auf dem ersten wurde auf eine 1,5 m große Eisenscheibe geschossen. Wurde das Zentrum der Scheibe getroffen, kam über der Scheibe eine Adlerfigur hoch.

Im Jahre 1909 war die Einweihung des letzten Schießstandes mit 5 Schiessbahnen. Später wurde der Stand auf 7 Bahnen erweitert. Um 1925 kamen neben dieser Anlage 4 Kleinkaliberschießbahnen hinzu.

Nicht zuletzt die tatkräftige und finanzielle Unterstützung der Familie Kalcher und des Gutbesitzers Reinhold aus Hensken haben den Erwerb des Schießstandes und danach den Bau des Schützenhauses ermöglicht. Der Gutsbesitzer war auch als Heimatdichter sehr bekannt und beliebt.

 

Schützenhaus:

Der Bau des Schützenhauses begann im Jahr 1910. Bezugsfertig war das Haus im Jahr 1913.

Das Schützenhaus überstand den 1. Weltkrieg leidlich. So konnte 1920 das erste Schützenfest in diesem Haus gefeiert werden. Später wurde an das Schützenhaus noch ein Saal angebaut.

Wie auch in Winsen war der Saal des Schützenhauses der größte im Landkreis.

Im Winter 1944/1945 wurde Schlossberg von der Roten Armee der Sowjetunion überrannt. Das Schützenhaus brannte aus. Dabei wurden alle Werte der Schützengilde (auch die historischen Schriften) vernichtet.

Das Gebäude wurde später als Mehrfamilienhaus wieder aufgebaut und hat wenig Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Schützenhaus. Vom Schießstand sind nur noch Reste der Erdwälle zu sehen.

Heute ist aus der ehemaligen Kreisstadt Pillkallen/Schlossberg durch russische Verwaltung ein Dorf geworden. Nach dem Krieg ist nur ca. jedes siebte Haus stehengeblieben.

 

Fahne:

Die erste Fahne der Pillkaller-Schützengilde wurde in den Wirren des 1.Weltkrieges im Jahr 1914 beim russischen Überfall geraubt. Eine neue Fahne wurde 1921 anlässlich des Gauschießens in Pillkallen/Schloßberg geweiht. Leider wurde diese

beim Brand des Schützenhauses 1944/45 während der russischen Invasion vernichtet.

Auf Initiative des Obervorstehers Hans Kalcher und des Geschäftsführers der Kreisgemeinschaft Schloßberg Albert Fernitz wurde in den 50er Jahren eine neue Fahne in Auftrag gegeben. Diese ist eine Nachbildung der Fahne von 1921 und zeigt auf der Vorderseite das Pillkaller/Schloßberger Wappen umrahmt von Eichenlaub und auf der Rückseite eine Scheibe mit gekreuzten Gewehren. Darüber steht „Üb‘ Aug‘ und Hand“, darunter „für’s Vaterland“.

 

Traditionsschießen:

Die Schützengilde Pillkallen war dank Ihrer hervorragenden Schützen bei Schießwettbewerben unter den Schützenvereinen sehr erfolgreich.

Auch die eigenen Schießveranstaltungen waren von den Gastvereinen gut besucht.

1923 kam das Kleinkaliber auf. Die führenden Modelle waren Geco, Mauser und Walther. Ab 1925 wurde das Kleinkaliberschießen auf 50 m Bahnen in der Gilde eingeführt.

 

Der Pillkaller:

Beliebt war immer auch der „Pillkaller“-Schnaps, ein Korn mit Leberwurstscheibe und Mostrich (Senf) darauf. Wahlspruch dazu war:

„Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd,

in Pillkallen ist das umgekehrt“

 

Auch heute ist der „Pillkaller“ ein fester Bestandteil der Tradition und wird gern getrunken.

 

Die Obervorsteher:

Wer die ersten Obervorsteher der Schützengilde Pillkallen/Schloßberg waren, ist hier nicht bekannt, da viele Unterlagen in den Wirren des 1. Weltkrieges vernichtet wurden.

Von 1898 bis 1935 war Hans Kalcher sen. Obervorsteher der Schützengilde. 

Danach übernahm Erwin Kalcher das Amt. Wenige Jahre später trat an seine Stelle der Bruder Hans Kalcher jun. Dieser hatte das Amt bis 1985 inne und wurde von dem jetzigen Obervorsteher Manfred Kalcher abgelöst.

Damit stellt die  Familie Kalcher seit nunmehr 110 Jahren den Obervorsteher der Schützengilde Pillkallen/Schloßberg.


Pillkallerkönig Immo Röhl 2019


Der richtige Pikaller

 

Dort, wo das Land Litauen an Deutschlands Grenzen rührt,

wo man auf Flur und Auen noch Luchs und Elche spürt,

 da liegt, berühmt vor allen, die je der Volksmund pries,

 das freundliche Pillkallen, ein Zecherparadies.

 

Es lästern böse Zungen: Dort säuft der Mensch wie‘n Pferd;

 doch wen der Durst bezwungen, solch Reden wenig stört.

 Wohl trinkt man gut und reichlich auch etwas starken Sprit;

 nun ja, man ist nicht weichlich und braucht was für‘s Gemüt.

 
Denn eisigkalte Winde wen dort jahraus, jahrein,
da darf fürwahr gelinde der Abendtrunk nicht sein.
Da braucht man scharfe Sachen- da wird auch scharf gezecht,

 da gibt es nichts zu lachen und was man trinkt, ist echt!

 

 Oh Fremdling, der Du schüchtern dem Städt‘chen Dich genaht,

 nicht lange bleibt Du nüchtern; hier hat der Schnaps Format!

 Wohl hast in allen Gauen der Schnäpse viel probiert
und nun erfaßt Dich Grauen? Nur lustig, nicht geziert.

 

 Denn hier die Krone aller hast Du noch nicht geschluckt,

 den “richtigen“ Pillkaller“. Das Heimatkunstprodukt.
Es glänzt in lichter Schale so hell der Doppelkorn,
der reine, ideale, wahrhaft‘ge Lebensborn.
Darüber liegt die Scheibe der fetten Leberwurst  —
so lacht das Herz im Leibe, zur Andacht wird der Durst.

 

Der Mann, der Dich erdachte, Pillkaller, das ist wahr,

 der wusste, was er machte: Ambrosia und Nektar.
Der hatte keine schlechte Verdauung, keine Not.
Der schuf das echte, rechte ostpreuss‘sche Abendbrot.

 Nun Fremdling, auf die Zunge die Wurst leg mit Bedacht,

 den Korn mit kühnem Schwunge gieß rüber, dass es kracht!

 Das schlubbert durch die Gurgel — Erbarmung — wie geschmiert,

 im Darm erst das Gewurgel! Gib acht, dass nichts passiert.

 Und wenn Du das nun zünftig kannst zehn - auch zwölfmal tun,

 dann bist Du hier erst zünftig, mein Freundchen, und auch duhn.

 

Nun Prosit! Greif zum Glase
Stoß an und werde hart.
Begießen wir die Nase
recht nach Pilikaller Art,

 

Rezept: 1 Scheibe möglichst harte Leberwurst

mit etwas Mostrich (Senf)

und dazu ein Glas Doppelkorn.


Pillkallerkönige

 

2021

2020

2019      Immo Röhl

2018      Uwe Kasteinke-Nowack

2017      Thomas Westermann

2016      Ingolt Bergmann

2015      Gisela Hubert

2014      Heide Marlen Simoleit

2013      Magrit Nielsen

2012      Thomas Westermann

2011      Gisela Hubert

2010      Dieter Golz

2009      Anton Zeyn

2008      Margrit Nielsen

2007      Walter Ließke

2006      Helga Westermann

2005      Walter Klie

2004      Günter Klatt

2003      Carsten Tippe

2002      Alfred Meyer

2001      Ilona Büttner

2000      Heide Marlen Simoleit

1999      Lebrecht Maack

1998      Horst Buchholz

1997      Ralph Kaschwich

1996      Heinz-Günter Hubert

1995      Reinhard Heuer

1994      Günter Klatt

1993      Otto Briesenick

1992      Günther Hamann

1991      Helmut Sabrowski

1990      Heinz-Günter Hubert

1989      Bruno Terkowski

1988      Helmut Büttner

1987      Herbert Tuminiski

1986      Otto Briesenick

1985      Adolf Kuwert sen.

1984      Siegfried Powilleit

1983      Jürgen Orlowski

1982      Herbert Tuminski

1981      Heinz-Günter Hubert

1980      Bernd Wegwerth

1979      Günter Richter

1978      Adolf Kuwert jun.

1977      Heinz-Günter Hubert

1976      Adolf Kuwert sen.

1975      Siegfried Krause

1974      Adolf Kuwert sen.

1973      Hans Schmidt

1972      Manfred Kalcher

1971      Adolf Kuwert sen.

1970      Willi Schöning

1969      Adolf Kuwert sen.

 

1968      Max Zühlsdorff